Nachhaltige Produkte

Nachhaltige Produkte

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Signale sind auf Grün gestellt

Nachhaltigkeit – das Wort wird heute fast inflationär benutzt. Das den Worten auch Taten folgen, dafür bedarf es eines fixierten Vorgehens und definierter Zeithorizonte.

Die europäischen und deutschen Leitplanken für einen nachhaltigen Umbau unserer Gesellschaft bestehen bereits. Jetzt nimmt das Thema zusehend Fahrt in der Umsetzung auf.

Mit steigenden Auswirkungen auch auf die Möbelbranche.

Da der Nachhaltigkeitsbegriff in der Wissenschaft zahlreichen Definitionen unterliegt, ist eine richtigen Einordnung wichtig.

Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung definierte 1987 wie folgt: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“

Das bringt unser Problem mit der Nachhaltigkeit auf den Punkt.
2021 wurden 70 % Ressourcen mehr verbraucht, als die Erde sicher nachfüllen kann.
Ein Ergebnis aus dem aktuellen Report der Circle Economy-Organisation – „CIRCULARITY GAP REPORT 2021“.

Wir leben in der Zeit eines durch uns verursachten globalen Klimawandels, begrenzter Verfügbarkeit an Ressourcen und Lieferengpässen in einer auf Wachstum fokussierten Weltwirtschaft. Lineare Geschäftsmodelle sind die Praxis. Dadurch sind kaum Möglichkeiten gegeben, den Ressourcenverbrauch zu stoppen und die einsetzten Materialen in Kreisläufe zu überführen.

Wie sieht die Gegensteuerung aus, um eine gelebte Nachhaltigkeit zu erreichen und eine enkelfähige Zukunft für die nachfolgenden Generationen zu ermöglichen?

Der Fahrplan steht

Die Grundlage hat die Europäische Kommission 2019 mit European Green Deal gelegt und 2020 mit dem Circular Economy Action Plan (CEAP) noch gezielter erweitert (Factsheet).

Darauf setzt der aktuelle Koalitionsvertrag der deutschen Bundesregierung auf und verankert erstmalig auch darin die Thematik Kreislaufwirtschaft als zukünftiges Leitbild für die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands.

 

Auszug Koalitionsvertrag:

  • „Wir fördern die Kreislaufwirtschaft als effektiven Klima- und Ressourcenschutz, Chance für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplätze.“
  • „Wir haben das Ziel der Senkung des primären Rohstoffverbrauchs und geschlossener Stoffkreisläufe. Hierzu passen wir den bestehenden rechtlichen Rahmen an, definieren klare Ziele und überprüfen abfallrechtliche Vorgaben.“
  • „In einer „Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie“ bündeln wir bestehende rohstoffpolitische Strategien. Auf dieser Grundlage setzen wir uns in der EU für einheitliche Standards ein. Anforderungen an Produkte müssen europaweit im Dialog mit den Herstellern ambitioniert und einheitlich festgelegt werden.“
  • „Produkte müssen langlebig, wiederverwendbar, recycelbar und möglichst reparierbar sein. Wir stärken die erweiterte Herstellerverantwortung auf europäischer Ebene.“


Den Grundsatzfestlegungen folgen die zunehmend verbindlicher werdenden Umsetzungsvorgaben für Unternehmen.

Zug der Zeit nutzen

Bis Planungen in gesetzlichen Verordnungen münden, durchlaufen sie viele Gremien und werden über Initiativen, Anträge und Empfehlungen in diesem Zeitraum auf Basis einer freiwilligen Aufnahme und Umsetzung den Unternehmen empfohlen. Selbst danach gibt es immer Übergangsfristen bis zur verbindlichen Umsetzung.

Diese Zeit zu nutzen für eine Vorbereitung auf das Kommende – ein Gebot der Stunde für Unternehmen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und letztlich ihren Marktzugang zu sichern.

Vor allem aus zwei Gründen.

(1) Das zeitliche Tempo von einer Freiwilligkeit zur Verpflichtung nimmt zu und (2) die Umsetzung benötigt den Aufbau von neuen kreislauffähigen Geschäftsmodellen.

Am Beispiel des letzten Punktes aus dem Auszug des Koalitionsvertrages zur Kreislaufwirtschaft zeigen sich die Auswirkungen auf die Wirtschaft mit bereits initiierten und kommenden Anforderungen.

„Produkte – langlebig, wiederverwendbar, recycelbar und möglichst reparierbar.“ Die Instrumente für die Umsetzung: Verordnung Recht auf Reparatur und die Ökodesign-Richtlinie.

Im Vorfeld eines für das dritte Quartal 2022 vorgesehenen Kommissionsvorschlags zum Recht auf Reparatur nahm das Europäische Parlament am 7. April seine Forderungen an.

Zu den Maßnahmen, die die Abgeordneten im kommenden Legislativvorschlag fordern werden, gehören:

      • Reparaturen sollten für Verbraucher attraktiver gemacht werden, zum Beispiel durch Prämien für die Reparatur eines defekten Geräts oder den Erhalt eines Ersatzgeräts für die Dauer der Reparatur,
      • Hersteller sollten verpflichtet werden, kostenlosen Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen zu gewähren und Software-Updates für einen Mindestzeitraum zu garantieren,
      • Geräte sollten haltbarer und leichter zu reparieren sein und abnehmbare und austauschbare Teile enthalten,
      • Verbraucher sollten mehr und bessere Informationen über die Reparaturfähigkeit von Geräten erhalten,
      • Garantiezeiträume sollten verlängert werden.

Nächster Halt - SPI

Bereits im März 2021 wurde im CEAP mit Bezug auf die Ökodesign-Richtlinie erstmals auch die Möbelbranche benannt.

Ein weiterer Schritt – mit entsprechenden Anpassungen der Richtlinie – wird noch 2022 durch die Annahme durch die Europäische Kommission als Verordnung folgen.

Die Sustainable Products Initiative (SPI).
Wieder dabei – der Bereich Möbel.

Inhaltlich geht es darum, über verbindliche Anforderungen zukünftig sicherzustellen, dass alle in der EU vertriebenen Produkte nachhaltiger und kreislauffähiger werden.

Der Fokus liegt hier gezielt auf dem Beginn der Kreislaufmodelle – dem Design.

Nach Schätzungen der EU-Kommission sind ca. 80 Prozent der Umweltauswirkungen von Produkten auf die Designphase zurückzuführen.
Ziel ist, über Anreizsysteme für die Wirtschaft, Produkte beginnend beim Design entlang der Wertschöpfungsketten nachhaltiger zu gestalten – mit Vorgaben u.a. zur Recyclingfähigkeit, Reparierbarkeit und Lebensdauer.

Die Umsetzung der kommenden Festlegungen gelingt den Unternehmen auch in der Möbelbranche nur mit den entsprechenden zirkulären Geschäftsmodellen.

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